Die Bedeutung der Streuobstwiesen

Streuobstwiesen sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Sie fördern die Artenvielfalt und bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Lebensraum für Vielfalt

Früher war das Landschaftsbild unserer Region geprägt von Wiesen, auf welchen hochstämmige Obstbäume wuchsen. Dieses Landschaftsbild prägte für viele Jahrhunderte unsere Kulturlandschaft.

Streuobstwiesen waren regelrechte Biotope für ca. 5000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten wie Insekten, Spinnentiere, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere (z. B. Spitzmaus, Mauswiesel, Steinkauz …). Außerdem sind Streuobstwiesen durch diese reiche Fauna schädlings- und krankheitsresistenter und stellen ein Genreservoir der Apfel- und Birnensorten dar. Leider sind diese Streuobstwiesen mittlerweile in der Rheinebene fast völlig aus dem Landschaftsbild verschwunden, da sie dem Siedlungsbau und der intensivierten Landwirtschaft zum Opfer gefallen sind.

Es gibt ca. 3600 verschiedene Sorten von sogenannten alten Apfel- und Birnensorten, welche aber nur noch sehr vereinzelt vorkommen, da die Betreuung von Streuobstwiesen aufgrund sehr hoher Handarbeit einen großen Zeitaufwand einfordern und dadurch die Wirtschaftlichkeit sehr gering ist. Die Bewirtschaftung von 60 -120 Bäume/ha (im Vergleich zu 3000 Bäumen/ha beim Spalierobst) ist sehr zeitintensiv und der Obstertrag liegt dabei pro ha weit unter dem der Spalierbäume, welche zusätzlich ohne Leitern und somit weniger gefährlich (Unfallgefahr) kultiviert werden können.

Streuobstsorte des Jahres

Streuobstsorte des Jahres 2026, in Baden-Württemberg, ist der Böblinger Straßenapfel

Partnerschaft zu Bienen -Die Imkerei

Wir haben uns 2003 trotzdem zum Anbau von Streuobstwiesen entschieden, da eine unabdingbare Partnerschaft besteht zwischen Streuobstwiesen und der Imkerei.

Die Imkerei ist in unserer Familie seit Generationen Tradition. Bienen sind auf ein ausgewogenes Nahrungsangebot angewiesen, was durch Streuobstwiesen hervorragend gegeben ist, weiter sind die Bienen für die Bestäubung der Apfelblüten unabdingbar.

Wir bewirtschaften ca. 160 Hochstamm – Apfelbäume mit bestehend aus ca. 31 verschiedenen „alten“ Apfelsorten, die ohne Pestizide und Herbizide kultiviert werden. Dadurch erreichen unsere Säfte eine Güte, die mit der Bio-Qualität verglichen werden kann.

Apfelsaft seit 2008

Wir haben im Jahre 2008 damit begonnen, einen hochwertigen Apfelsaft zum Eigenbedarf aus unserem Streuobst herzustellen. Die Äpfel werden von Hand gesammelt, dies garantiert eine hohe Saftqualität, da schon beim Aufsammeln die Äpfel streng sortiert, d.h. angefaulte bzw. faule Äpfel aussortiert werden.

Der Ertrag bei Hochstammbäumen nimmt kontinuierlich mit dem Alter zu, d.h. ein Vollertrag wird ca. nach 30 Jahren erreicht. Die Ernte erstreckt sich von Ende August bis Ende Oktober.

Bedingt durch die hohe Sortenvielfalt zeichnen sich unsere Säfte durch unterschiedlichen Charakter aus.

Frühere Sorten besitzen mehr Säure und weniger Süße, späte Sorten hingegen weniger Säure aber dafür eine intensivere Süße, was für unterschiedliche Geschmacknuancen je nach Erntezeitpunkt sorgt. Geschmackliche Unterschiede entstehen außerdem dadurch, dass immer unterschiedliche Sorten reif sind und diese je nach Ertrag den Saft geschmacklich beeinflussen.

Entstehung neuer Naturparadiese

Angrenzend an unseren Hof in Grißheim bewirtschaften wir zwei Felder, die sukzessive zu Streuobstwiesen aufgeforstet und ausgebaut werden. Auf einer der Flächen wird zusätzlich eine neue Weihnachtsbaumkultur angelegt.

2023 wurden die Flächen ein letztes Mal umgebrochen und eine vielfältige Blumenmischung eingesät, um die Grundlage für eine vielfältige Fauna zu schaffen.

Mittlerweile ist eines der Felder bereits vollständig bepflanzt und auf dem anderen wurde diesen Winter (25/26) mit der Pflanzung begonnen. Um auch zukünftig wieder den Mischsaft „Apfel+Holunder“ anbieten zu können, wurde auch eine neue Reihe Holunder gepflanzt.

Seit Kurzem hat sich ein Fasanenpärchen auf den Wiesen niedergelassen, weshalb ich auch nur noch teilweise diese gemäht habe und nicht vollständig, um ihnen die notwendige Deckung zu bieten. In letzter Zeit sind auch vermehrt Feldhasen auf den Flächen zu beobachten, was auch durch Verbiss an einigen Bäumen zu sehen ist. Laut der Aussage eines Nachbarn, hat er beim Gassigehen mit dem Hund unlängst sogar zwei Rehe beobachten können.